In Kooperation mit der Alliance Foundation unterstützte DialoguePerspectives e.V. das Projekt „Jewish-Muslim initiated Flinta*hood“ als Teil des jüdisch-muslimischen Solidaritätsprogramms. Das ebenfalls von OFEK e.V. geförderte Projekt konzentriert sich auf die Vernetzung von jüdischen und muslimischen Frauen*.
Eindrücke und Einsichten von den Organisator*innen:
In einer Zeit, die von zunehmender Entmenschlichung, Empathielosigkeit sowie wachsendem Rassismus und Antisemitismus geprägt ist, setzt ein jüdisch-muslimisch initiiertes feministisches Bündnis ein klares Zeichen: Solidarität. Doch wie kann Solidarität jenseits symbolischer Gesten in einer Welt voller Widersprüche und Machtverhältnisse konkret gelebt werden?
Diese Frage bildet den Ausgangspunkt für die Arbeit des Bündnisses. Ziel ist es, Solidarität gemeinsam zu erlernen und so zu leben, dass sie Kraft spendet – sowohl individuell als auch kollektiv. Es geht darum, einander zu stärken und gemeinsam Wege zu finden, dem allgegenwärtigen Gefühl politischer und gesellschaftlicher Ohnmacht etwas entgegenzusetzen. Solidarität soll nicht nur ein Ideal bleiben, sondern aktiv gelebt und aufrechterhalten werden.
Zentrale Voraussetzung hierfür ist das Schaffen von Begegnungsräumen – Räume jenseits der Dominanzgesellschaft, frei von Instrumentalisierung, in denen Austausch, Empowerment und gegenseitiges Verstehen möglich sind.
Beim ersten öffentlichen Vernetzungstreffen im November 2024 äußerten viele Teilnehmende ihre große Wertschätzung für diesen neu geschaffenen Raum, in dem sie sich nicht erklären mussten und auf echtes Verständnis trafen. Die daraus entstandene Dynamik führte zur Organisation eines weiteren Treffens am 8. Mai 2025 im Kulturraum Oya in Köln. FLINTA-Personen unterschiedlichster Hintergründe und Generationen kamen dort zusammen. Einige waren bereits beim ersten Treffen dabei, neue Gesichter kamen hinzu – es entstanden verbindende Gespräche, und zwischenmenschliche Beziehungen wurden vertieft. Gerade der Austausch zwischen den Communities erwies sich als kraftvoller Akt des Widerstands gegen Versuche, sie gegeneinander auszuspielen.
Aufbauend auf diesen Begegnungen wurde am 1. Juni 2025 ein ganztägiger Workshop zum Thema Solidarität veranstaltet, geleitet von Elif Gökpinar und Anna Feldbein (Ofek), beide mit umfangreicher Erfahrung in antirassistischer, antisemitismuskritischer und solidarischer Bündnisarbeit. Die Teilnehmenden brachten ihre Erfahrungen ein, reflektierten gemeinsam und entwickelten Ideen, wie diese in ein dauerhaft tragfähiges Bündnis einfließen können.
Ein Zitat von Audre Lorde prägte die inhaltliche Arbeit im Workshop:
„You do not have to be me in order for us to fight alongside each other. I do not have to be you to recognize that our wars are the same.“
Dieser Gedanke – dass Solidarität auch das Aushalten von Ambiguitäten und Gleichzeitigkeiten erfordert – zog sich wie ein roter Faden durch den Tag. In der Verbindung aus Inputs der Referent*innen und praxisnahen Übungen wurde der oft abstrakt verwendete Begriff „Solidarität“ greifbar. Im Vordergrund stand dabei nicht nur das Vermitteln von Inhalten, sondern auch das Anstoßen persönlicher Reflexion: Solidarität lässt sich nicht an einem Tag erlernen, sondern ist ein fortlaufender Prozess.
Zum Abschluss des Workshops stärkten sich die Teilnehmenden bei libanesischem Essen und tanzten gemeinsam zwei traditionelle Tänze – einen jüdisch-jemenitischen sowie den kurdischen Halay. Diese symbolische wie gelebte Verbindung war ein weiterer Schritt auf dem Weg hin zu einer wachsenden jüdisch-muslimisch initiierten Solidarität.