Dagesh | Rückblick: Dagesh bei fluctoplasma 2025

Vom 23. bis 26. Oktober 2025 fand in Hamburg die sechste Ausgabe von fluctoplasma – Festival für Kunst, Diskurs und Diversität statt. Dagesh konnte als Kooperationspartner das inhaltliche Kernstück des Festivals, die Konferenz „tilting structures“, maßgeblich mitgestalten. Dabei wurden vielfältige Positionen jüdischer Künstlerinnen zu der zentralen Frage sichtbar, wie Diversität strukturell in der Kunst- und Kulturarbeit verankert werden kann. Anlässlich des Festivals kamen zudem Dagesh-Künstler*innen zu einem Netzwerktreffen zusammen.

   

Zur Eröffnung der Konferenz am 24. Oktober sprachen Dagesh-Referentin Yana Lemberska zu sowie Leyla Erkus (Licht ins Dunkel e. V/ Kein Schlussstrich!). In Panels und Diskussionen wurden Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft multiperspektivischer Kulturarbeit beleuchtet und mit Ansätzen für eine strukturelle Verankerung von Diversität jenseits reiner Repräsentationslogik verknüpft. Zu den Mitwirkenden der Konferenz gehörten unter anderem Julia Wissert (Intendantin Schauspiel Dortmund), Jörg Albrecht (Autor und Leiter des Center for Literature) und Vertreter*innen des neu gegründeten Museum Selma (DOMiD e.V.).

FOLKADU Konzert „Von Charme bis Chutzpah“

Ein besonderer Höhepunkt war das Konzert „Von Charme bis Chutzpah“ der Band FOLKADU um die Dagesh-Künstlerin Yael Gat am 25. Oktober im TONALi. In ungewöhnlicher Besetzung – mit Gesang, Oud, Akkordeon, Trompete und Schofar – führte das Ensemble durch die Klangwelten globaler jüdischer Folkmusik. Hebräische, jiddische und ladinosprachige Lieder, Gedichte und traditionelle Melodien verschmolzen zu einem zeitgenössischen Repertoire, das jüdische Vielfalt hör- und spürbar machte.

Ausstellung „traces beyond the west“

Die Gruppenausstellung „traces beyond the west“ vereinte Arbeiten aus Fotografie, Zeichnung, Installation, Video und Textil, die sich mit Nachwirkungen und gegenwärtigen Manifestationen von Gewalt, Kolonialismus und Katastrophen auseinandersetzen. Dagesh-Künstlerin Hadas Tapouchi war mit ihrer Arbeit „Poznan – Force“ vertreten, einer fotografischen Serie, in der sie topografische Spuren ehemaliger Zwangsarbeitslager in Polen dokumentiert und zeigt, wie Geschichte in alltägliche Räume eingeschrieben bleibt – oft unsichtbar, aber allgegenwärtig.

Dagesh-Netzwerktreffen im Rahmen des fluctoplasma Festivals

Am 25. Oktober kamen im Rahmen von fluctoplasma Mitglieder des Dagesh-Netzwerks zu einem Netzwerktreffen zusammen. Das Treffen bot Raum für Austausch, Vernetzung und persönliche Begegnung zwischen Künstlerinnen und Kulturschaffenden aus dem Netzwerk. Gemeinsam besuchten die Teilnehmenden das Konzert „Von Charme bis Chutzpah“ sowie die Ausstellung „traces beyond the west“. Nach einer gemeinsamen Führung entwickelte sich ein intensiver Austausch über die präsentierten Werke. In den Gesprächen mit den anwesenden Künstlerinnen standen insbesondere Fragen nach Erinnerung, Verantwortung und dem Sichtbarmachen des Verdrängten im Mittelpunkt. Die künstlerischen Positionen eröffneten neue Perspektiven auf das Verhältnis von Geschichte und Gegenwart und regten dazu an, über die Rolle von Kunst als Raum des Erinnerns und als Impulsgeberin für gesellschaftliche Veränderung nachzudenken.

Die Zusammenarbeit mit dem fluctoplasma Festival schuf einen wichtigen Raum, in dem Kunst und Verantwortung, Erinnerung und Zukunft miteinander in Dialog treten konnten und in dem zeitgenössische jüdische Stimmen und Positionen jüdischer Gegenwartskunst in ihrer Vielfalt sichtbar wurden. Das Festivalprogramm verwies eindrücklich auf das Potential künstlerischer Praxis für die Gestaltung einer solidarischen Gesellschaft und unterstrich die besondere Rolle von Dagesh als Plattform für jüdische Gegenwartskunst im gesellschaftlichen Diskurs. Unser besonderer Dank gilt den Kurator*innen Nina Reiprich und Dan Thy Nguyen sowie dem gesamten fluctoplasma-Team für die wunderbare Zusammenarbeit. Wir freuen uns auf die Fortsetzung im kommenden Jahr.

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