Future 500 | Call for Applications – Summer Workshop 2026

Der interreligiöse und weltanschauliche Dialog ist eines der etabliertesten Instrumente der Friedensförderung und des sozialen Zusammenhalts in Europa. Dennoch gibt es überraschend wenig Belege für seine Wirksamkeit. Begegnungen finden statt. Die Repräsentation ist gesichert. Doch nachhaltige Zusammenarbeit, gemeinsames bürgerschaftliches Handeln und dauerhafte Veränderungen in der Konfliktdynamik sind nach wie vor selten.

Jüngste Krisen haben schwierige Fragen hinsichtlich der Widerstandsfähigkeit von Dialoginitiativen in ganz Europa aufgeworfen: die theologische Legitimierung des Krieges gegen die Ukraine durch die russisch-orthodoxe Kirche, der Bruch im jüdisch-muslimischen Dialog nach dem 7. Oktober und dem Krieg im Gazastreifen sowie der zunehmende Antisemitismus und antimuslimischer Rassismus trotz jahrzehntelanger interreligiöser Dialogprogramme.

Die unbequeme Frage, die dieser Workshop aufwirft, lautet nicht, wie man Dialogformate verbessern kann – sondern ob das Konzept des Dialogs selbst Teil des Problems geworden ist. Die meisten aktuellen Dialogpraktiken beruhen auf Annahmen, die selten hinterfragt werden: dass Begegnung Vorurteile abbaut, dass unter doktrinären Unterschieden eine gemeinsame Menschlichkeit zutage treten kann und dass Religionsgemeinschaften kohärente Partner sind, die in der Lage sind, mit einer Stimme zu sprechen. Diese Annahmen verdienen eine genaue Prüfung. Sie sind möglicherweise nicht nur empirisch fragil – sie könnten auch aktiv die Machtasymmetrien, die interne Heterogenität und die tatsächlichen Interessenkonflikte verschleiern, für deren Bewältigung strukturierte interreligiöse Räume nie konzipiert wurden.

 

Der Workshop wendet sich daher von der Methodik ab, um grundlegendere Fragen zu stellen:

  • Welche Menschenbilder bilden die Grundlage für den Dialog?
  • Wie verstehen religiöse Traditionen Verantwortung, Würde, Konflikt und Verschiedenheit?
  • Und sind diese Denkansätze angesichts der heutigen Polarisierung und Fragmentierung noch angemessen?

Eine weitere Herausforderung ergibt sich aus transhumanistischen Entwicklungen wie kognitiver Leistungssteigerung, digitaler Identität, der Verschmelzung von Mensch und KI sowie der technologischen Infragestellung von Endlichkeit und Körperlichkeit. Diese Entwicklungen verändern bereits jetzt, was es bedeutet, in einer Gemeinschaft Mensch zu sein. Und damit auch die Frage, wer der Dialogpartner eigentlich ist.

Durch die Einbeziehung von Perspektiven aus der Konfliktforschung betrachtet der Workshop den Dialog nicht als Harmonieprojekt, sondern als ernsthafte Form der Konfliktbearbeitung. Er fragt, was der Dialog realistisch erreichen kann, wo seine strukturellen Grenzen liegen und welche normativen Grundlagen für einen Rahmen notwendig sind, der Spannungen nicht ausweicht, sondern sie als den eigentlichen Ort demokratischer Arbeit behandelt.

Das Ziel ist nicht Kritik um der Kritik willen, sondern die Neugestaltung: die Entwicklung eines Dialogkonzepts, das anthropologisch fundiert, konfliktbewusst, transhumanistisch kompetent und ehrlich in Bezug auf die Grenzen des Dialogs ist. Der Workshop wird mehrere wichtige europäische Akteure im Bereich des interreligiösen und weltanschaulichen Dialogs sowie Vertreter bedeutender europäischer Dialoginitiativen zusammenbringen. Ihre praktischen Erfahrungen werden als Ausgangspunkt dienen, um diese grundlegenden Fragen aus der Perspektive der dialogischen Praxis zu erörtern.

Format

In einer Kombination aus Workshops, interaktiven Sitzungen und dem Austausch mit Expert*innen werden die Teilnehmer*innen die Herausforderungen und Möglichkeiten der zeitgenössischen Dialogpraxis erkunden. Ein besonderer Schwerpunkt des Programms liegt auf der Auseinandersetzung mit Konflikten, der kritischen Reflexion bestehender Dialogansätze und der Entwicklung neuer Perspektiven für den interreligiösen und weltanschaulichen Dialog.

>>> Hier bis 10. Mai bewerben

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