EPNA | Retrospekt: Summer Workshop “The EU Framework as a Model? Supranational Approaches to Combating Antisemitism”

Der Sommerworkshop des European Practitioners Network against Antisemitism (EPNA) in Brüssel hat die Position des Netzwerks als transnationale Plattform für den politischen Austausch in einem geopolitischen Kontext, der durch sich wandelnde Machtverhältnisse in Europa und darüber hinaus gekennzeichnet ist, deutlich gestärkt – einem Kontext, in dem der Druck hin zu renationalisierten politischen Ansätzen im Spannungsverhältnis zum anhaltenden Engagement für eine supranationale Koordinierung steht. Vor diesem Hintergrund bot das EPNA ein Forum, um die Widerstandsfähigkeit und Relevanz europäischer Rahmenwerke bei der Bekämpfung zeitgenössischer Formen des Antisemitismus zu bewerten und sie in einen Dialog mit internationalen Netzwerken in den USA, Israel und der WANA-Region zu bringen.

 

Aufbauend auf dem Internationalisierungsprozess, der beim vorangegangenen EPNA-Workshop in Barcelona eingeleitet wurde, wurden beim Treffen in Brüssel die Stärken und Grenzen des europäischen Rahmens zur Bekämpfung von Antisemitismus untersucht. Der Workshop, an dem 35 Teilnehmer aus Europa, Israel, Marokko und den Vereinigten Staaten teilnahmen, bot die Gelegenheit, Perspektiven aus unterschiedlichen politischen und gesellschaftlichen Kontexten auszutauschen und darüber nachzudenken, was Europa aus den Erfahrungen anderer Regionen lernen kann.

Der Workshop verfolgte zwei übergeordnete Ziele: erstens die Weiterentwicklung von Policy Briefs zu zentralen Herausforderungen im Bereich der Bekämpfung von Antisemitismus und zweitens die eingehendere Untersuchung der Beziehungen zwischen europäischen Institutionen und Akteuren der Zivilgesellschaft sowie ihrer jeweiligen Rollen bei der Bekämpfung von Antisemitismus.

Die Veranstaltung wurde mit finanzieller Unterstützung des Auswärtigen Amts und in Zusammenarbeit mit der European Union of Jewish Students durchgeführt und erhielt wertvolle Unterstützung von der Deutschen Botschaft in Brüssel sowie der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik Deutschland bei der Europäischen Union.

 

Der europäische Rahmen in der Praxis

Als Netzwerk, das mehr als 100 Mitgliedsorganisationen aus ganz Europa und eine wachsende Zahl internationaler Partner zusammenbringt, bietet EPNA Praktikern eine Plattform, um Erfahrungen auszutauschen, gemeinsame Initiativen zu entwickeln und die Reaktionen der Zivilgesellschaft auf Antisemitismus zu stärken.

Brüssel bot einen besonders geeigneten Rahmen für diese Diskussion. Als politisches Zentrum der Europäischen Union und Sitz vieler Institutionen, die die europäischen Ansätze zur Bekämpfung von Antisemitismus mitgestalten, bot die Stadt den Teilnehmenden die Gelegenheit, direkt mit Akteur*innen in Kontakt zu treten, die an der Entwicklung und Umsetzung von Politik beteiligt sind.

Ein zentraler Programmpunkt war eine Frage-und-Antwort-Runde mit Katharina von Schnurbein, Koordinatorin der Europäischen Kommission für die Bekämpfung von Antisemitismus und die Förderung des jüdischen Lebens. Sie reflektierte die Entwicklungen während ihrer Amtszeit, gab Einblicke in die Herausforderungen bei der Koordinierung der Bemühungen in den verschiedenen europäischen Kontexten und erörterte, wie sich die Lage insbesondere seit dem 7. Oktober 2023 verändert hat. Die Teilnehmer erfuhren zudem von positiven Entwicklungen, darunter die Tatsache, dass mittlerweile 24 europäische Länder nationale Strategien gegen Antisemitismus verabschiedet haben. Die Diskussion bot den Teilnehmern die Gelegenheit, Herausforderungen aus ihrem eigenen beruflichen Umfeld offen anzusprechen und direkt mit der Europäischen Kommission in Dialog zu treten.

Netzwerken und Training

Das Programm begann mit einer auf Networking ausgerichteten Speed-Dating-Runde, die darauf abzielte, die Verbindungen zwischen den Teilnehmenden zu stärken und die weitere Integration neuer internationaler Mitglieder in das Netzwerk zu fördern.

Ein weiterer wichtiger Bestandteil war eine Schulung zum Thema Diskriminierungsbewusstsein unter der Leitung von Josh Dubell, einem Vertreter von Solutions not Sides (Vereinigtes Königreich). Die Sitzung führte die Teilnehmenden in den pädagogischen Ansatz der Organisation ein und konzentrierte sich auf die Bekämpfung von Antisemitismus, ohne dabei die umfassenderen Dynamiken von Rassismus und Diskriminierung aus den Augen zu verlieren – insbesondere in Kontexten, die vom Nahostkonflikt geprägt sind. Angesichts der Relevanz dieser Themen für viele Fachleute in diesem Bereich bot die Schulung wertvolle Perspektiven für den Umgang mit komplexen und oft polarisierten Debatten.

 

Arbeitsgruppen und Erstellung von Policy Briefs

Im Rahmen des Workshops führten die Teilnehmer*innen die zweite Phase eines dreistufigen Prozesses durch, dessen Ziel die Erstellung von Policy Briefs ist, die zivilgesellschaftlichen Organisationen als praktische Instrumente für ihre Interessenvertretung dienen sollen.

Während sich die erste Phase in Barcelona auf die Erfassung der Herausforderungen und die Analyse der aktuellen Situation in vier Themenbereichen konzentrierte, stand im Brüsseler Workshop die Identifizierung und Präzisierung der diesen Herausforderungen zugrunde liegenden Kernprobleme im Mittelpunkt. Die Teilnehmer*innen arbeiteten daran, eine begrenzte Anzahl von Kernproblemen zu identifizieren, die als Grundlage für künftige politische Empfehlungen dienen sollen.

Die Themen der Arbeitsgruppen sind:

  • Holocaust-Bildung und Bekämpfung von Holocaustleugnung
  • Antisemitismus an Schulen und Hochschulen; Antisemitismus unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen
  • Die Intersektionalität von Antisemitismus, Rassismus, Verschwörungsideologien und Frauenfeindlichkeit
  • Online-Antisemitismus, Fake News und Online-Radikalisierung

Die in Brüssel erarbeiteten Ergebnisse werden als Grundlage für die letzte Phase des Prozesses dienen. Im Vorfeld des EPNA-Workshops im Oktober in London werden die Arbeitsgruppen ihre Policy Briefs fertigstellen und Empfehlungen formulieren, die noch in diesem Jahr veröffentlicht und der Öffentlichkeit vorgestellt werden sollen.

Öffentliche Podiumsdiskussion 

Im Rahmen des Workshops fand eine halböffentliche Podiumsdiskussion mit dem Titel „Die Lücke schließen: EU-Institutionen und Akteure der Zivilgesellschaft im Kampf gegen Antisemitismus“ statt, an der sowohl Workshop-Teilnehmer*innen als auch Vertreter*innen der breiten Öffentlichkeit teilnahmen. An der Veranstaltung nahmen mehr als 50 Teilnehmer*innen aus zivilgesellschaftlichen Organisationen, politischen Institutionen, der Wissenschaft, der jüdischen Gemeinde sowie eine Gruppe von Attachés des Auswärtigen Amts teil.

Den Auftakt des Abends machte Botschafter Thomas Ossowski von der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik Deutschland. An der Podiumsdiskussion nahmen Friso Roscam-Abbing (Agentur der Europäischen Union für Grundrechte), Teona Dalakishvili (Creative Development Center, Georgien), Basya Gartenstein (Bruno-Kreisky-Forum, Österreich), Joanna Podolska-Płocka (Universität Łódź, Polen) und Abdou El Kaoukabi (Association Mimouna, Marokko) teil. Die Diskussion wurde von Jonas Fegert (FZI – Forschungszentrum für Informationstechnologie, Deutschland) moderiert.

Ein zentrales Thema der Diskussion war die wahrgenommene Kluft zwischen politischen und administrativen Institutionen einerseits und Akteur*innen der Zivilgesellschaft andererseits. Die Teilnehmer untersuchten, warum diese Kluft trotz weitgehender Einigkeit über die Bedeutung der Zusammenarbeit weiterhin besteht, und erörterten mögliche Ansätze zur Stärkung der Kommunikation und Koordination. Friso Roscam-Abbing hob unter anderem die laufenden Bemühungen innerhalb der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte hervor, den Dialog mit Akteuren der Zivilgesellschaft zu institutionalisieren und sicherzustellen, dass deren Perspektiven systematischer in politische Prozesse einfließen.

Ausblick und strategische Bedeutung

Der EPNA-Workshop „Der EU-Rahmen als Vorbild? Supranationale Ansätze zur Bekämpfung von Antisemitismus“ stellte einen wichtigen Meilenstein im jährlichen Arbeitszyklus des Netzwerks dar. Der Brüsseler Workshop, der zwischen den grundlegenden Diskussionen in Barcelona und der Fertigstellung der Ergebnisse in London stattfand, übersetzte umfassende Problemanalysen in gezieltere und umsetzbare Rahmenkonzepte.

Der Workshop beleuchtete sowohl das Potenzial als auch die Grenzen supranationaler Ansätze zur Bekämpfung von Antisemitismus, einschließlich der anhaltenden Kluft zwischen Rahmenwerken auf europäischer Ebene und ihrer uneinheitlichen Umsetzung in den verschiedenen nationalen Kontexten. Die Teilnehmenden betonten, wie wichtig es ist, dass die Politikentwicklung eng mit den Erfahrungen der vor Ort tätigen Praktiker*innen verknüpft bleibt.

Während sich das EPNA auf seinen dritten Workshop des Jahres in London vorbereitet, wird sich das Netzwerk darauf konzentrieren, seine Policy Briefs fertigzustellen und konkrete Empfehlungen einer breiteren Öffentlichkeit vorzustellen. Dies bildet den Höhepunkt des diesjährigen Prozesses des transregionalen Austauschs und der zivilgesellschaftlichen Interessenvertretung. Mit Unterstützung des Auswärtigen Amts wird das EPNA die zivilgesellschaftliche Zusammenarbeit gegen Antisemitismus in ganz Europa und darüber hinaus weiter stärken.

Für mehr Informationen, kontaktieren Sie bitte:
Florian Eisheuer | EPNA Programmleitung
Email: practitionersnetwork@dialogueperspectives.org

Fotos: Tommaso Salvadori

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