CPPD | Rückblick: „GEMEINSAM – GEGENWART – GEDENKEN“ | Thementag beim Kunstfest Weimar

„Historische Verantwortung ist nicht abwählbar.“ Mit diesen Worten forderte die Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora am vergangenen Sonntag Bund und Länder auf, die Unabhängigkeit von Gedenkstätten – vor allem in Sachsen-Anhalt – rechtlich abzusichern: durch Förderstrukturen, die Einrichtungen auch bei einem politisch motivierten Entzug von Landesmitteln handlungsfähig halten, durch die gezielte Einbeziehung kleinerer Gedenkstätten und lokaler Initiativen sowie durch den Ausbau bestehender Netzwerke für gemeinsame Bildungsarbeit, rechtliche Beratung und öffentliche Unterstützung bei Angriffen auf Einrichtungen und ihre Beschäftigten.

Wie dringlich diese Forderung ist, zeigte sich am selben Abend beim gemeinsamen Thementag „GEMEINSAM – GEGENWART – GEDENKEN“, den die CPPD zusammen mit der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora im Rahmen des Kunstfests Weimar veranstaltete. Kurz nach 18 Uhr verfolgten Jens-Christian Wagner, Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, Noa K. Ha, wissenschaftliche Geschäftsführerin des Deutschen Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM) und Nicole Schweiß, Lehrerin und Multiplikatorin für diskriminierungskritische Bildungsarbeit gemeinsam mit dem Publikum die ersten Hochrechnungen zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Obwohl das Ergebnis niemanden überraschte, sorgte es für einen Moment des Innehaltens und kurzer Sprachlosigkeit, bis klare Worte folgten: „Sich nicht trennen lassen!“

Der Thementag

In zwei Workshops, einem Podiumsgespräch und einem Konzert ging der Tag der Frage nach, was Gedenken heute bedeutet, wie es sich zur Gegenwart verhält und wie es als gemeinschaftliche, aktive Praxis gelebt werden kann. Akteur*innen aus dem CPPD-Netzwerk, aus Bildungsarbeit, Wissenschaft und Gegenwartskünsten, kamen zusammen, um Ansätze und Herausforderungen einer pluralen Erinnerungskultur zu diskutieren.

 

Workshops

„Lieder als Erinnerung“: Die Musiker*innen Yael Gat und Alex Stolze aus dem Dagesh-Netzwerk erkundeten mit den Teilnehmenden jüdische Lieder als Träger von Erinnerung und Ausdruck von Widerstand und verbanden dabei historische Erzählungen mit musikalischer Praxis.

„Dimensionen pluraler Erinnerungskultur“: Nicole Schweiß und Igor Mitschnik, Geschäftsführer von Austausch e.V., fragten mit den Teilnehmenden, wessen Geschichte erinnert wird und wessen nicht. Anhand eines Koordinatensystems der Gleichzeitigkeiten zwischen Vergangenheit und Zukunft machten sie unterschiedliche Erinnerungsthemen, Spannungsfelder und fehlende Perspektiven sichtbar.

Im Zentrum des Abends stand das Podiumsgespräch zwischen Jens-Christian Wagner und Noa K. Ha. Moderiert von Nicole Schweiß sprachen beide darüber, wie Gedenken vereinnahmt werden kann und wie Erinnerung zur Grundlage von Solidarität werden kann – eine Frage, die durch den Wahlabend zusätzliche Dringlichkeit gewann

Konzert

Zum Ausklang des Tages verwoben Yael Gat und Alex Stolze in ihrem Konzert jüdische Musikgeschichte mit zeitgenössischer Sound-Ästhetik und schufen, unter spontaner Beteiligung von Teilnehmenden des vorhergehenden Workshops, einen Klangraum, der historische Wurzeln und Gegenwart eng miteinander verband.

Der Thementag hat einmal mehr gezeigt: Eine plurale Erinnerungskultur braucht Raum für unterschiedliche Erfahrungen und die kritische Auseinandersetzung mit deutscher und europäischer Geschichte. Wir danken dem Kunstfest Weimar und der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora für die Zusammenarbeit und unseren Netzwerkwerkmitgliedern für ihre Beiträge. Wir freuen uns auf die Fortsetzung dieses Austauschs!

Fotos: Thomas Müller & Candy Welz | Kunstfest Weimar

 

CPPD | Ankündigung: DML Eröffnung »listening | re:member | re:act«

Was verändert sich, wenn wir jenen Stimmen wirklich zuhören, die längst an der Erinnerung und Zukunft europäischer Gesellschaften mitarbeiten? Erinnerungskultur ist in ganz Europa ein umkämpftes Feld. Das Dynamic Memory Lab „listening | re:member | re:act“ zeigt Erinnerung als Praxis: lebendig, plural, veränderbar – und als etwas, in das eingegriffen wird. Im Mittelpunkt stehen Menschen und Initiativen, die inmitten gesellschaftlicher Krisen handlungsfähig bleiben: Sie erinnern, organisieren, widersprechen, verbinden, reparieren und schaffen Räume, in denen solidarische Formen des Zusammenlebens möglich werden. Ihre Arbeit ist Intervention und Reflexion zugleich – sie verschiebt, woran in Europa erinnert wird und wer dabei spricht.

Das transnationale Ausstellungsprojekt verbindet die Arbeit der Coalition for Pluralistic Public Discourse (CPPD)Berlin mit der Initiative „Erinnern in Zukunft“ der Brunnenpassage Wien. Das Dynamic Memory Lab ist ein innovatives Ausstellungsformat, das urbane Erfahrungen von Migration, Teilhabe und Zugehörigkeit verhandelt. Seine Grundlage ist eine politische Praxis des Zuhörens, die Erfahrungen in Beziehung setzt, Zugehörigkeit erweitert und gesellschaftlichen Wandel vorstellbar macht: Für die Ausstellung wurden Audio- und Videointerviews mit rund 20 zivilgesellschaftlichen Akteur*innen aus migrantisch-diasporischen, antirassistischen und künstlerischen Kontexten geführt. Die Anliegen aller Beteiligten werden zudem über je ein symbolisches Objekt oder Material visuell und haptisch erfahrbar. Die Stimmen, die hier zum Klingen kommen, und die Objekte, die sie begleiten, machen Besucher*innen zu Beteiligten eines gesellschaftlichen Wandels – ohne sie zu vereinnahmen. Wer zuhört, wird nicht überzeugt, sondern in Beziehung gesetzt. Das Dynamic Memory Lab ist damit auch eine künstlerische Intervention am Wiener Praterstern: Dort, wo täglich Zehntausende umsteigen, aneinander vorbeigehen und weiterziehen, entsteht ein Ort des Bleibens – aus dem Transitraum wird ein Resonanzraum.

Am 28. November 2026 eröffnet das Dynamic Memory Lab im Wiener FLUCC, im Zeichen des Jubiläums „60 Jahre Anwerbeabkommen mit dem ehemaligen Jugoslawien“.

Dagesh | Ankündigung: Studio on the Road #SukkotEdition 2026

Dagesh-Studio on the Road #SukkotEdition 2026

„Der Himmel als Dach | The Sky as a Roof“

Jüdisches Kulturmuseum Veitshöchheim | 26. September bis 2. Oktober 2026

Ausstellungseröffnung: 26. September 2026

Mit Werken von Michal Fuchs, Shira Orion, Regina Potomkina, Elianna Renner, Nave Knafo, Yoav Schutzer, Jan Bodenstein

Kuration: Johanna Weiß und Daniel Laufer

Was bedeutet Schutz, wenn er nicht als Abschottung, sondern als fragile, offene Form des Zusammenkommens gedacht wird? Im September 2026 macht die bundesweite Reihe Dagesh-Studio on the Road Station im Jüdischen Kulturmuseum Veitshöchheim.

Vom 26. September 2026 bis 20. Mai 2027 zeigt die Ausstellung „Der Himmel als Dach | The Sky as a Roof” künstlerische Positionen zu Fragilität, Schutz und Gemeinschaft. Ausgangspunkt ist das jüdische Laubhüttenfest Sukkot und die Sukka als provisorischer Schutzraum: durchlässig, verletzlich, nur vorübergehend – und gerade darin ein Ort gemeinsamer Gegenwart.

Angesichts von Krieg, Flucht und zunehmender gesellschaftlicher Polarisierung erhält diese Symbolik eine neue Dringlichkeit. Die von Johanna Weiß und Daniel Laufer kuratierte Ausstellung verbindet zeitgenössische künstlerische Positionen mit jüdischer Tradition und fragt danach, wie Gemeinschaft entstehen kann, ohne Verletzlichkeit zu leugnen.

Die Ausstellung „Der Himmel als Dach | The Sky as a Roof“ ist Teil der Reihe Dagesh-Studio on the Road und wird in Kooperation mit dem Jüdischen Kulturmuseum Veitshöchheim und mit Unterstützung durch den Beauftragten der Bundesregierung für jüdisches Leben in Deutschland und den Kampf gegen Antisemitismus sowie den Bezirk Unterfranken realisiert. Kuration der Ausstellung: Johanna Weiß, Daniel Laufer.

Programm:
16 – 18 Uhr: Open House mit Künstler*innengesprächen, Kurator*innenführungen und Lesung
18 – 19 Uhr: Eröffnung und Artist Talk
19 – 20 Uhr: Musikalischer Beitrag Folkadu (Yael Gat – Gesang, Trompete, Shofar, Ira Shiran – Akkordeon, Adam Chichportiche – Lavta)
bis 21 Uhr: Ausklang und Empfang

Um Anmeldung wird gebeten. 

 

 

EPNA | Podcastepisode 18

In dieser Folge spricht Nicole Schweiß mit Elyse Picker, Managing Director for National Programs bei Rekindle, über ein US-amerikanisches Modell zur Stärkung von Beziehungen zwischen Schwarzen und jüdischen Communities. Rekindle wurde in Cleveland gegründet und unterstützt mittlerweile rund 20 Standorte in den gesamten USA. Das Fellowship-Programm umfasst fünf Sitzungen (insgesamt ca. 15 Stunden) und verbindet die Auseinandersetzung mit historischen Texten mit strukturiertem Dialog und gemeinsamen Vereinbarungen für einen respektvollen Austausch. Ein wachsendes Alumni-Netzwerk trägt dazu bei, den Dialog in konkretes lokales Engagement zu überführen.

Wir sprechen darüber, wie Rekindle gezielt unterschiedliche Perspektiven in den einzelnen Gruppen zusammenbringt, mit „Ich-Botschaften“ und gemeinsamen Vereinbarungen für die Moderation sogenannte „Braver Spaces“ schafft und das Programm an die jeweiligen lokalen Gegebenheiten anpasst – von Bildungsreisen über Community-Veranstaltungen bis hin zu gemeinsamen Projekten. Elyse reflektiert zudem über transnationales Lernen und darüber, welche Impulse europäische Praktiker*innen aus dem Chapter-Modell von Rekindle mitnehmen können.

https://open.spotify.com/episode/5v6aeL4U2X77LB33PvYnn9?si=xnDhwAfPTgy7T42kqI1YJg

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Intro: Bethany Odd | Moderatorin: Nicole Schweiß | Speakerin: Elyse Picker | Audio-Edit: Gal Yaron Mayersohn | Musik: Hopeful Start by John Bartmann is licensed under a CC0 1.0 Universal License | Illustration: Saskia Schlarmann | Editing: Nihal Çalışır | Projekt Leitung: Florian Eisheuer, Johanna Korneli, Jo Frank | © 2026 DialoguePerspectives e.V. | https://against-antisemitism.eu/⁠ | Insta: dialogueperspectives_epna

Future 500 | Podcastfolge 3: Global DialoguePerspectives Jo Frank im Gespräch mit Marco Ventura

In dieser Folge von Global DialoguePerspectives spricht Jo Frank mit Marco Ventura – Professor für Recht und Religion an der Universität Siena und ein führender Wissenschaftler auf den Gebieten Religionsfreiheit, religiöse Diplomatie sowie der Beziehung zwischen Religion und Innovation. Ausgehend von seiner Arbeit in der Wissenschaft und in europäischen politischen Netzwerken reflektiert Ventura darüber, wie religiöse Gemeinschaften mit dem technologischen Wandel, künstlicher Intelligenz und sich wandelnden Formen der Autorität in heutigen Gesellschaften umgehen.

Gemeinsam erörtern sie die ambivalente Beziehung zwischen Religion und Innovation und diskutieren über KI, soziale Medien, Zugang, Macht und die Zukunft des Dialogs in einer zunehmend fragmentierten Welt. Das Gespräch beleuchtet, wie technologische Entwicklungen etablierte Kategorien von Religion und Politik in Frage stellen und warum die Aufrechterhaltung des Dialogs über Unterschiede hinweg in Zeiten der Unsicherheit und des Konflikts nach wie vor unerlässlich ist.

 

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Global DialoguePerspectives, die Podcast-Reihe von Future 500, bringt aufstrebende Denker*innen aus aller Welt zusammen, um die Ideen zu erörtern, die unsere Gesellschaften prägen, und sich mit Fragen des Vertrauens, der Zusammenarbeit und des sinnvollen Dialogs über Grenzen hinweg auseinanderzusetzen. Die Gespräche beleuchten aktuelle philosophische und technologische Entwicklungen und untersuchen deren Auswirkungen auf den Dialog, den Wiederaufbau von Beziehungen und praktische gemeinschaftsübergreifende Initiativen inmitten wachsender Spannungen in Europa und weltweit. Anhand von Expert*inneneinblicken, persönlichen Reflexionen und gemeinsamen Gesprächen erörtern wir: Wie bauen wir nachhaltige Bewegungen für den Wandel auf?

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Sprecher: Jo Frank, Marco Ventura | Intro: İrem Çörekçi | Editorial Team: Nihal Çalışır | Audio-Edit: Gal Mayersohn | Illustration: Andrea Schmidt | Musik: Alex Stolze & Yael Gat – White Noise | Programmleitung: Kira Wisniewski | Projektleitung: Jo Frank, Johanna Korneli | © 2026 DialoguePerspectives e.V. | https://future500network.com

Future 500 | Retrospekt: Sommer Workshop “Has Dialogue Failed? Towards a New Concept of Interreligious Engagement”

5. – 7. Juli 2026 | Berlin, Deutschland

Der interreligiöse Dialog hat einen Großteil seiner Legitimität auf einem unhinterfragten Syllogismus aufgebaut: dass Kontakt Verständnis schafft, Verständnis Vertrauen schafft und Vertrauen schließlich Frieden hervorbringt. Diese Abfolge bricht in der Praxis zusammen. Die theologische Einordnung des Krieges in der Ukraine durch die russisch-orthodoxe Kirche, der Zusammenbruch der Dialogräume nach dem 7. Oktober und der darauf folgende Krieg im Gazastreifen sowie das Aufkommen von Antisemitismus und antimuslimischem Rassismus in ganz Europa haben offenbart, wie leicht Begegnungen mit anhaltendem Unrecht koexistieren oder diesem sogar Deckung bieten können. Rafael Tyszblat von unserer Partnerorganisation Connecting Actions erklärte: „Die zu frühe Suche nach Gemeinsamkeiten ist oft das Ergebnis mangelnder Ehrlichkeit, wenn es um Machtverhältnisse geht. Frieden lässt sich nicht allein durch gute Absichten erreichen.“ Was benötigt wird, ist kein weiteres Format, sondern die Bereitschaft zu hinterfragen, wem ein bestimmter Raum der Begegnung tatsächlich dient.

   

Dieses Problem wurde am eindringlichsten von Hauptredner Prof. Cyril Hovorun beleuchtet, der im Dezember 2023 vom Moskauer Patriarchat wegen seines Widerstands gegen den Krieg aus dem Priesteramt entlassen worden war. Er argumentierte, dass die russisch-orthodoxe Kirche die Invasion nicht nur nicht verhindert habe – sie habe diesem Krieg sogar eine theologische Grundlage geliefert.

Der Workshop ging anschließend zu einer umfassenderen Hinterfragung der Prämissen dieses Forschungsfeldes über. Er verortete den Dialog in seinem zeitgenössischen europäischen Kontext – voranschreitende Säkularisierung, wachsende religiöse Vielfalt durch Migration und ein wiederauflebender christlicher Nationalismus, der die Gefahr birgt, die religiöse Zugehörigkeit selbst zu instrumentalisieren. Anschließend wandte er sich konzeptionelleren Bereichen zu und untersuchte, wie trans- und posthumanistisches Denken die grundlegende Annahme des Dialogs ins Wanken bringt, dass es ein stabiles menschliches Subjekt gebe, das in der Lage sei, für eine Position zu sprechen – eine Annahme, die bereits durch KI und algorithmische Systeme unter Druck gerät. Theoretische Reflexion ging Hand in Hand mit praktischem Engagement, darunter die Vorstellung einer mehrsprachigen, gemeinschaftsübergreifenden Zeitschrift, die als Modell für einen Dialog präsentiert wurde, der eher als fortlaufender Prozess denn als einmaliges Ereignis verstanden wird. In strukturierten Gruppensitzungen kehrte man immer wieder zu vier Fragen zurück: Was ist Dialog, was hat funktioniert, wo ist er gescheitert und wer fehlt noch darin?

 

Jo Frank, Direktor von DialoguePerspectives e.V., dehnte diese Auseinandersetzung auf die Praxis des Netzwerks selbst aus und argumentierte, dass ein Bereich, der sich nur ungern selbst hinterfragt, zumindest einen Raum benötigt, der darauf besteht, dies dennoch zu tun. Ungeklärt blieb jedoch, wer bestimmt, wann ein Raum für solche Hinterfragungen ausreichend sicher ist, und wessen schwierige Themen benannt werden, während andere stillschweigend zurückgestellt werden.

   

Die Verantwortung für diese Arbeit liegt nun bei den Teilnehmer*innen des Future 500-Netzwerks selbst, die die Aufgabe haben, die im Workshop erfolgte Benennung von Macht in eine dauerhafte Praxis umzusetzen – den Dialog neu zu definieren und neu zu gestalten, die als abwesend identifizierten Vermittler*innen, Expert*innen und Gemeinschaften einzubeziehen und Formate aufzugeben, die diese Bezeichnung nicht mehr verdienen. Diese Auseinandersetzung wird im Herbst beim Future 500 Autumn Workshop „Religion as a Weapon Violence and the Challenge of Solidarity“ (13.–15. Oktober 2026, London, in Zusammenarbeit mit EPNA) fortgesetzt.

 

Fotos: Natalia Reich

Future 500 | Call for Applications: Religion as a Weapon Violence and the Challenge of Solidarity

13. – 15. Oktober 2026 | London, United Kingdom

Das erklärte Ziel von Future 500 ist es, den interreligiösen und weltanschaulichen Dialog anders anzugehen: kritischer, ehrlicher und mit größerer Relevanz für die Konflikte, die die europäischen Gesellschaften und ihre Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften prägen. Der Herbst-Workshop 2026 nimmt dieses Ziel als Ausgangspunkt.

Im interreligiösen Dialog wird Religion oft als neutrale Ressource behandelt, die nur dann gefährlich ist, wenn sie von politischen Akteuren oder Extremisten vereinnahmt wird. Der Herbst-Workshop 2026 von Future 500 hinterfragt diese Annahme.

Gewalt wird religiösen Traditionen nicht einfach von außen aufgezwungen. Sie ist auch in grundlegenden Texten, maßgeblichen Auslegungen, institutionellen Geschichtsverläufen und überlieferten Praktiken präsent. Eroberungserzählungen im Tanach, Koranstellen zu bewaffneten Konflikten, die Theologie der Kreuzzüge und die klassische Dschihad-Rechtslehre zeigen allesamt, dass Mainstream-Traditionen – und nicht nur Randakteure – definieren mussten, wann Gewalt gerechtfertigt sein kann. Dies hat nach wie vor politische Konsequenzen. Die russisch-orthodoxe Kirche hat dem Krieg gegen die Ukraine theologische Legitimität verliehen; dschihadistische Organisationen berufen sich auf die Heilige Schrift; evangelikale, hindu-nationalistische und andere politische Bewegungen mobilisieren religiöse Narrative, um Ausgrenzung und Gewalt zu legitimieren.

Der Workshop befasst sich daher nicht nur mit der Frage, wie Religion als Waffe eingesetzt wird, sondern auch damit, was innerhalb religiöser Traditionen diesen Einsatz ermöglicht. Zudem untersucht er, wie ältere Strukturen religiöser Feindseligkeit in säkularen Formen fortbestehen, darunter Antisemitismus und antimuslimischer Rassismus. Religiöse Gemeinschaften können ihre Verantwortung nicht darauf beschränken, Extremismus oder den Missbrauch des Glaubens zu verurteilen. Sie müssen sich auch mit den gewalttätigen Elementen und Ausgrenzungen innerhalb ihrer eigenen Traditionen auseinandersetzen, ihre Auslegungsentscheidungen sichtbar machen und theologische, pädagogische und institutionelle Schutzmaßnahmen gegen deren politische Instrumentalisierung entwickeln.

Der Workshop untersucht, wie Gewalt weitergegeben, legitimiert und mobilisiert wird – und welche Verantwortung sich daraus ergibt, wenn sie nicht nur außerhalb der Tradition liegt, sondern eine immer wiederkehrende Möglichkeit innerhalb derselben darstellt.

Der Workshop befasst sich mit folgenden Fragen:

  • Wo ist Gewalt in religiösen Traditionen verankert – in Texten, Praktiken und Autoritätsstrukturen?
  • Wie wird sie zu institutionellem und politischem Handeln?
  • Wie gehen religiöse Gemeinschaften mit Gewalt innerhalb ihrer eigenen Traditionen um?
  • Wie tragen Antisemitismus und antimuslimischer Rassismus religiöse Feindseligkeiten in säkulare Gesellschaften hinein?
  • Welche theologischen, pädagogischen und institutionellen Verantwortlichkeiten ergeben sich daraus?

Das Ziel besteht nicht darin, die Religion anzuklagen, sondern die Ehrlichkeit in unserem Fachgebiet zu fördern: eine vergleichende, religionsübergreifende Analyse darüber, wie Gewalt von innen heraus legitimiert, bekämpft und akzeptiert wird und was dies für den Aufbau einer dauerhaften Solidarität zwischen Gemeinschaften bedeutet, die sehr unterschiedliche Beziehungen zu dieser Gewalt geerbt haben.

Format

Anhand einer Kombination aus Expertenbeiträgen, interaktiven Sitzungen und einer angeleiteten Auseinandersetzung mit London als multireligiösem Fallbeispiel werden die Teilnehmenden untersuchen, wie Gewalt in religiösen Traditionen verankert ist, wie Gemeinschaften darauf reagieren und wie sie sich heute in Form von Antisemitismus und antimuslimischem Rassismus manifestiert.

Bitte beachten Sie: Dieser Workshop findet parallel zum EPNA-Herbstworkshop „Pluralistische Gesellschaften, gemeinsame Verantwortung: Stärkung der Reaktionen jüdischer Gemeinschaften auf Antisemitismus“ statt. Die beiden Gruppen werden Teile des gemeinsamen Programms gemeinsam absolvieren. Teilnehmer*innen, die in beiden Netzwerken aktiv sind, werden gebeten, sich für das Programm ihrer Wahl anzumelden.

Kosten & Logistik

Reisekosten werden bis zu einem Betrag von 300 € erstattet (ausschließlich 2. Klasse). Einzelheiten zur Unterkunft sowie detaillierte Informationen zu Anreise und Kostenerstattung werden nach Abschluss des Bewerbungsverfahrens mitgeteilt.

Workshop Leitung

Jo Frank (Direktor DialoguePerspectives e.V.)
Kira Wisniewski (Programmleitung Future 500)

Jetzt hier bewerben!

EPNA | Call for Applications: Autumn Workshop 2026

Plural Societies, Shared Responsibility: Strengthening Jewish Community Responses to Antisemitism

13 – 15 October | London, United Kingdom

 

Antisemitische Vorfälle haben in ganz Europa und darüber hinaus stark zugenommen, wodurch die Sicherheit jüdischer Gemeinschaften erneut unter dringenden Druck geraten ist. Das Vereinigte Königreich bietet hier eine aufschlussreiche Fallstudie – einen Kontext, in dem über Jahrzehnte hinweg gemeinschaftsbasierte Reaktionsstrategien entwickelt wurden und aus dem Erkenntnisse gewonnen werden können, die für den europäischen und internationalen Kontext relevant sind.

Dennoch werden jüdische Gemeinschaften allzu oft als Objekte der Politik behandelt und nicht als Partner bei deren Gestaltung. Dieser Workshop stellt jüdische Perspektiven in den Mittelpunkt der Diskussion und bringt Sicherheitsexpert*innen, Praktiker*innen und politische Akteur*innen zusammen, um zu untersuchen, wie die Maßnahmen gegen Antisemitismus im Einklang mit den Lebenserfahrungen der am stärksten Betroffenen gestärkt werden können.

Der Aufbau von Sicherheit und Resilienz erfordert mehr als nur gemeindespezifische Maßnahmen. Er erfordert ein offenes und kooperatives Engagement über Gemeindegrenzen hinweg – gegründet auf der Erkenntnis, dass eine pluralistische und vielfältige Gesellschaft nicht nur der Kontext für diese Arbeit ist, sondern deren Grundlage und Zweck.

Das Programm verbindet Expert*innenbeiträge, Networking-Möglichkeiten und ein Kompetenztraining zum Thema Resilienz, wobei der Schwerpunkt auf praktischer Relevanz und konstruktiv-kritischer politischer Diskussion liegt. Im Rahmen einer Round-Table-Sitzung werden Mitglieder unserer Plattform die in unseren Arbeitsgruppen erarbeiteten Policy Briefs politischen Entscheidungsträgern auf europäischer und nationaler Ebene vorstellen.

Der Workshop wird sich mit folgenden Fragen befassen:

  • Wie können jüdische Gemeinschaften als aktive Partner bei politischen und sicherheitspolitischen Maßnahmen die Reaktion auf Antisemitismus mitgestalten, anstatt lediglich als Schutzbedürftige behandelt zu werden?
  • Was lässt sich aus den von den Gemeinden selbst initiierten Reaktionen auf Antisemitismus im Vereinigten Königreich lernen, und welche Ansätze, Strukturen oder Prinzipien lassen sich auf andere europäische und internationale Kontexte übertragen?
  • Wie können Sicherheits- und Resilienzmaßnahmen so entwickelt werden, dass sie nicht nur die gelebten Erfahrungen jüdischer Gemeinden widerspiegeln, sondern auch deren interne Vielfalt hinsichtlich Konfessionen, geografischer Lage, Sichtbarkeit und institutioneller Organisationsstufen?
  • Welche Formen der gemeinschaftsübergreifenden Zusammenarbeit haben sich bei der Bekämpfung von Antisemitismus als wirksam erwiesen, und welche Bedingungen begünstigen oder behindern eine solche Zusammenarbeit angesichts unterschiedlicher Geschichten, Anfälligkeiten und politischer Kontexte?
  • Welche institutionellen und politischen Veränderungen sind notwendig, um sicherzustellen, dass die Partnerschaft mit den Gemeinschaften in den Bereichen Sicherheit und Politik über bloße Rhetorik hinausgeht – und wie können jüdische Gemeinschaften sich auf europäischer und nationaler Ebene wirksam für diese Veränderungen einsetzen?

 

Der Workshop findet parallel zum Herbstworkshop des Future 500-Netzwerks statt, einem Schwesterprogramm von DialoguePerspectives. Am zweiten Tag des Workshops ist ein gemeinsames Programmelement vorgesehen. Teilnehmer, die sowohl bei der EPNA als auch im Future 500-Netzwerk aktiv sind, werden gebeten, sich für eines der beiden Programme zu entscheiden und sich entsprechend anzumelden. Die Ausschreibung für das Future 500-Netzwerk wird in Kürze veröffentlicht.

Datum und Ort

  • Ort: London, United Kingdom
  • Start: Oktober 13, 12:00 pm
  • Ende: Oktober 15, 1:00 pm

Bewerbungen sind bis zum 15. Juli möglich. Bitte reichen Sie Ihre Bewerbung über das folgende Formular ein: zum Formular.

EPNA | Podcastepisode 17

United Against Antisemitism. Stories from the Field, Episode 17: „Closing the Gap: EU Institutions and Civil Society Practitioners on Combating Antisemitism“

In dieser Folge können Sie unsere Podiumsdiskussion in Brüssel verfolgen, an der Vertreter*innen der Zivilgesellschaft und europäischer politischer Institutionen teilnahmen. Im Mittelpunkt des Gesprächs steht die anhaltende Kluft zwischen Institutionen und Praktiker*innen im Kampf gegen Antisemitismus. Die Podiumsteilnehmer*innen erörtern, warum diese Kluft trotz des gemeinsamen Bekenntnisses zur Zusammenarbeit weiterhin besteht, und tauschen Ideen aus, wie Kommunikation, Vertrauen und Zusammenarbeit sektor- und grenzüberschreitend gestärkt werden können.

 

Wenn Sie Feedback oder Anmerkungen haben, schreiben Sie uns bitte.

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Moderator: Jonas Fegert | Speakers: Friso Roscam-Abbing, Teona Dalakishvili, Basya Gartenstein, Joanna Podolska-Płocka, Abdou El Kaoukabi | Audio-Edit: Gal Yaron Mayersohn | Editing: Nihal Çalışır, Amina Ahmed | Music: Hopeful Start by John Bartmann is licensed under a CC0 1.0 Universal License | Illustration: Saskia Schlarmann | Project Lead: Jo Frank, Johanna Korneli | © 2026 DialoguePerspectives e.V. | https://against-antisemitism.eu/ | Insta: dialogueperspectives_epna

Future 500 | Veranstaltung: Has Dialogue Failed? – Towards a New Concept of Interreligious Engagement

5. Juli 2026 | 18:30 Uhr (Einlass 18 Uhr)
WeiberWirtschaft | Anklamer Str. 38 | 10115 Berlin-Mitte
mit Cyril Hovorun | Sankt Ignatius College, Stockholm
Einführung und Moderation: Jo Frank  | Direktor, DialoguePerspectives e.V.

Der interreligiöse und weltanschauliche Dialog ist eines der etabliertesten Instrumente der Friedensförderung und des sozialen Zusammenhalts in Europa. Dennoch gibt es überraschend wenig Belege für seine Wirksamkeit. Begegnungen finden statt. Die Repräsentation ist gesichert. Doch nachhaltige Zusammenarbeit, gemeinsames bürgerschaftliches Handeln und dauerhafte Veränderungen in der Konfliktdynamik sind nach wie vor selten.

Jüngste Krisen werfen schwierige Fragen hinsichtlich der Widerstandsfähigkeit von Dialoginitiativen in ganz Europa auf. Die theologische Legitimierung des Krieges gegen die Ukraine durch die russisch-orthodoxe Kirche ist ein prominentes Beispiel. Als die russisch-orthodoxe Kirche Russlands Invasion ihren Segen gab, versäumte sie es nicht nur, einen Krieg zu verhindern, sondern auch, ihrer Pflicht nachzukommen. Sie versorgte diesen Krieg mit einer Theologie, indem sie die Sprache der spirituellen Begegnung nutzte, um die Eroberung zu heiligen, und die Maschinerie der Versöhnung in ein Instrument der Legitimierung verwandelte.

Die unbequeme Frage, die sich daraus ergibt, ist daher, ob das Konzept des Dialogs selbst Teil des Problems geworden ist. In seinem Hauptvortrag wird Cyril Hovorun, ein ukrainisch-orthodoxer Theologe und eine der prägnantesten Stimmen zum Verhältnis zwischen Religion und politischer Macht, auf diese Frage eingehen. Da er in leitenden Positionen innerhalb der orthodoxen Kirche tätig war, verfügt er sowohl über fundierte Kenntnisse der orthodoxen Theologie als auch über Erfahrungen aus erster Hand darüber, wie der Glaube in den Dienst des Imperiums gestellt wird.

Die Veranstaltung findet auf Englisch statt.

Bitte melden Sie sich hier an.